Musik

... und alles, was dazugehört

Wann klatschen?

Die beste Art, sich als Neuling bei einem großen Konzert oder in der Oper zu blamieren, ist das Applaudieren. Bei Rockkonzerten wird nach jedem Song geklatscht, gejohlt und auch mitgesungen, das Publikum ist in Bewegung und feiert lautstark seine Stars. Das macht Spaß! Bei klassischen Werken sitzt man. Kein Mucks. Großartige Musik erklingt, alle sind gespannt. Und dann hört das Stück auf – aber niemand klatscht. Nur Räuspern, Tuscheln, Bonbonrascheln und im Winter zumeist eine urkomische Hustenattacke, die plötzlich den Saal erfasst. Warum applaudiert niemand? Waren die Musiker wirklich so schlecht?

Nein, wir haben es mit einer Sonate, einem Zyklus oder einer Sinfonie zu tun: in sich geschlossene Werke, die zwar aus mehreren Teilen bestehen, aber für den vollständigen Genuss Konzentration auf beiden Seiten fordern. Auf der Seite der Musiker, die hart arbeiten, und auf der Seite der Musikliebhaber, die sich fast alleine im Raum fühlen und am liebsten ganz in der Musik versinken möchten. Und dann klatscht irgend so ein Depp!

Also: Wenn das Orchester eine Pause macht, nicht sofort losdonnern. Denn jetzt kommt – bei einer Sinfonie – erst der 2. Satz. Und wieviel Sätze hat so eine Sinfonie? Das müsste im Programmheft stehen (meistens sind’s vier). Bei einem Solokonzert (mit Violine, Klavier oder sonstwas) sind's meistens drei Sätze. Wenn man mit dem Zählen nicht hinterherkommt und einen guten Blick hat, gibt es noch einen Trick: Einfach den Musikern auf die Notenblätter schauen. Wenn es keine Noten mehr gibt und der zumeist farbige Umschlag der Partitur zu sehen ist, nähern wir uns der Zielgeraden! Wenn dann der Dirigent langsam die Hände herabsenkt und seinem Orchester zunickt, ist es soweit ...

Natürlich wird am Anfang geklatscht, wenn die Musiker das Podium betreten, wenn danach der Erste Geiger erscheint und schließlich der Dirigent ans Pult tritt und ein Solist kommt. Ausnahme: Amerikanische Orchester spielen sich immer schon auf dem Podium ein.

In der Oper sind die Regeln lockerer. Wenn die Arie zwischendurch besonders schön war, wenn der Böse endlich stirbt oder ein Solo verzückt – dann dürfen Einzelaktionen honoriert werden. Aber erst wenn der Vorhang fällt, wird getobt. Und wenn die Hände allzu sehr schmerzen, hilft nur noch eins: »Bravo!« rufen. 

Ein weiterer Artikel zum Thema »Applaus«

Noch mehr gute Tipps und einen Blick hinter die Kulissen bietet das Buch  »Wann darf ich klatschen? von dem bekannten Violinisten Daniel Hope (Rowohlt 2009, 256 Seiten).
Mehr über das Buch auf seiner WEBSITE

Nicht nur das Publikum klatscht gerne. Der Komponist Steve Reich hat 1972 ein Stück geschrieben, das keine Instrumente braucht, sondern nur ...! 



Und hier die animierte Partitur zum Mitlesen:


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