Unser Konzerthaus

Großes Theater, viel Musik

Karl Friedrich Schinkel, der Architekt des Konzerthauses
Königliches Nationaltheater 1817, im Hintergrund der Deutsche Dom



Geschichte
An der Stelle des heutigen Konzerthauses stand früher ein Theater. Leider brannte es am 29. Juli 1817 ab. Dabei kam sogar unglücklicherweise ein Handwerker zu Tode.

Da sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. wieder ein Theater wünschte, beauftragte er den Architekten und Maler Karl Friedrich von Schinkel (1781–1841) mit einem Neubau. Nach nur 3 Jahren Bauzeit – das war für die damalige Zeit sehr schnell, denn es gab ja keine maschinellen Bagger und Kräne – wurde das Königliche Schauspielhaus (so hieß es damals) eingeweiht.

Das Konzerthaus Berlin heute
Archiv Konzerthaus


Schon als Kind wollte Schinkel Baumeister werden. Deshalb studierte er in Berlin an der Bauakademie, gleich um die Ecke vom Konzerthaus.
Schinkel war zur damaligen Zeit der Stararchitekt in Berlin und sehr berühmt. Wenn Du die Straße Unter den Linden Richtung Alexanderplatz runter gehst, kannst Du noch zwei seiner schönsten Bauwerke bestaunen: die Alte Wache und das Alte Museum.

Alte Wache
Anna Elin von Törne
Altes Museum
Anna Elin von Törne


Schinkel malte auch leidenschaftlich gerne. Er entwarf für die »Zauberflöte« von Mozart wunderschöne Bühnenbilder, wie z.B. das für die Königin der Nacht.

Aber zurück zum Konzerthaus: Die Gebäude ähneln sich alle sehr, oder? Sie haben Säulen, einen großen Dachgiebel und eine breite Treppe. Abgeschaut hat sich Schinkel diese Bauelemente bei den alten Griechen. Deren Tempel, wie zum Beispiel der Parthenon auf der berühmten Akropolis in Athen, sehen dem Konzerthaus ganz ähnlich. Oder sieht das Konzerthaus der Akropolis ähnlich?

Schauspielhaus, farbiger Stich (um 1821)
Der Parthenontempel in Athen
Anna Elin von Törne


Wie auch immer, auf alle Fälle war die klassische Antike damals total modern. Leute, die es sich leisten konnten, fuhren wochenlang mit der Kutsche durch Italien und Griechenland und bestaunten die archäologischen Reste. Auch Schinkel reiste öfter nach Italien und schaute sich dort Bauelemente an den Tempeln ab. Er verwendete sie dann an seinen eigenen Gebäuden, zum Beispiel auch am Konzerthaus.

Hat Schinkel also seine Ideen zum Konzerthaus geklaut? Ja und Nein. Abgeschaut hat er sich die Grundelemente wie die Säulen, den Giebel und die große Treppe. Aber er hat auch sehr viel Modernes hinzugefügt. Unterhalb der großen Eingangstreppe baute er eine Einfahrt für die Kutschen. So konnten die Besucher, ohne nass zu werden, direkt von ihrer Kutsche ins Konzerthaus gelangen. Wenn Du das nächste Mal kommst, achte mal darauf, ob Du die Rillen für die Kutschräder noch erkennen kannst...

Das Konzerthaus bis 1945
Am 10. Februar 1821 konnte der Konzert- und Ballsaal des Konzerthauses mit einer rauschenden Ballnacht eingeweiht werden. Am 26. Mai 1821 fand dann die festliche Eröffnung des Konzerthauses mit Goethes »Iphigenie« und dem Ballett »Die Rosenfee« statt. Am 18. Juni 1821 erlebten die Besucher des Konzerthauses die Uraufführung der Oper »Der Freischütz« von Carl Maria von Weber. Zu den Highlights des Hauses gehörten auch die Konzerte des italienischen Geigers Niccolò Paganini 1829. Sein Geigenspiel war so verrückt, dass das Publikum fand, er spiele wie der Teufel. Auch die Premiere der Oper »Der Fliegende Holländer« von Richard Wagner 1844 fand hier statt. Wagner dirigierte sogar selbst und führte auch die Regie.

In den folgenden 100 Jahren liebte das Publikum sein Schauspielhaus sehr und es wurde immer gerne besucht.

Im 2. Weltkrieg
Auch in der Kriegszeit, in der es den Berlinern sehr schlecht ging, kratzten sie immer wieder ein paar Groschen – so hieß das Geld damals – zusammen, um Musik und Theater zu erleben. Sie konnten so ein wenig den schrecklichen Alltag im Krieg vergessen. Und auch jüdische Mitbürger, die ab 1938 keine Theater- und Musikveranstaltungen mehr besuchen durften, mischten sich manchmal heimlich unter die Theater- und Konzertbesucher, selbst wenn das extrem gefährlich war. Aber die Sehnsucht nach Kultur und ein bisschen Normalität waren manchmal größer, als die Gefahr, entdeckt und verhaftet zu werden.

Am 29.07.1944 fand die letzte Vorstellung mit Friedrich Schillers Theaterstück »Die Räuber« statt. Am 22.04.1945, also einige Tage vor Kriegsende, war der letzte Konzertabend.

Das Konzerthaus wurde während des 2. Weltkrieges komplett zerstört
Aufgrund des großen Hungers wurde nach dem Krieg vor dem Konzerthaus sogar Gemüse angepflanzt.
Archiv Konzerthaus


Nach dem Krieg
Fast 30 Jahre lag das Schauspielhaus in Trümmern, bis es in der DDR-Zeit zwischen 1979 und 1984 wieder aufgebaut wurde.
Nachdem im Konzerthaus ja 30 Jahre keine Musik mehr erklungen war, wurden sogenannte Baustellenkonzerte veranstaltet, die viele neugierige Berliner besuchten.

Am 1.10.1984 wurde das Eröffnungskonzert vor den hohen Politikern der DDR und zahlreichen internationalen Diplomaten und Gästen gefeiert. In den folgenden Jahren kamen dann viele weltberühmte Orchester, Musiker und Dirigenten ins Konzerthaus. So dirigierte der Amerikaner Leonhard Bernstein nach dem Fall der Mauer im Dezember 1989 hier Beethovens 9. Sinfonie.

Der Gendarmenmarkt mit dem Konzerthaus (links) und dem Französischen Dom (rechts) während des Wiederaufbaus nach dem Krieg. Das Bild entstand 1984.
Ein Konzert mitten in der Baustelle (Oktober 1981)
Archiv Konzerthaus


Er ließ aus Freude über die neue Freiheit in Berlin, Deutschland und ganz Europa den ursprünglichen Text etwas verändert singen: statt »Freude, schöner Götterfunken« wurde nun »Freiheit, schöner Götterfunken« gesungen. Empfangen wurde Bernstein von den begeisterten Berlinern wie ein Rockstar, er gab Autogramme und diskutierte mit den Leuten. Immer dabei hatte er eine Thermoskanne mit unglaublich starkem Schwarztee! Die Musiker an diesem denkwürdigen Abend kamen aus Ost und West.

Innen
Das Konzerthaus hat neben den beiden eigentlichen Konzertsälen mehrere große und kleine Veranstaltungsräume, wie zum Beispiel den Beethoven- und den Werner-Otto-Saal, in dem auch viele Junior-Veranstaltungen stattfinden:

Beethovensaal
Udo Lauer
Werner-Otto-Saal
Udo Lauer


Dazu kommen Probenräume, Garderoben, Aufenthaltsräume für die Musiker, Waschräume, eine Kantine, wo die Musiker und Angestellten lecker essen können, Lager für Stühle, Dekorationen, Instrumente und viele Technikräume, zum Beispiel für das Licht und den Ton.

Der Große Saal
Der Große Saal im Konzerthaus ist ca. ein Drittel so groß wie ein Fußballfeld. Es gibt Platz für 1.412 Zuschauer. Vierzehn riesige Leuchter beleuchten den Saal und es sind immer 38 Personen anwesend. 38 Personen? Immer? Auch nachts? Ja, das sind die Porträtbüsten der Komponisten, die an den Wänden rechts und links stehen. Ganz oben direkt unter der Decke stehen weitere Figuren. Sie stellen die »Schönen Künste« dar. Auch sie wachen Tag und Nacht über das Konzerthaus.

Oberhalb der Bühne thront die »Königin der Instrumente«, eine riesige Orgel von Jehmlich (berühmte Orgelbaufamilie aus Dresden). Zahlreiche Informationen zur Orgel erhaltet Ihr HIER

Der Große Saal mit Blick auf die Bühne
Udo Lauer
Kleiner Saal mit Bühne und Flügel
Udo Lauer


Der Kleine Saal
Der Kleine Saal ist 224 m² groß, die Bühne 104 m² und es gibt 386 Sitzplätze. Hier finden viele Junior-Vorstellungen statt.

Hast Du Lust, das Konzerthaus näher zu erkunden?
Wir veranstalten regelmäßig für Kinder und Erwachsene Führungen durch das Konzerthaus, dort kannst Du gerne auch jederzeit Fragen stellen!

In der Regel bieten wir immer samstags Führungen (ca. 75 Minuten) durch das Konzerthaus an, einmal im Monat Familienführungen (ca. 60 Minuten). Diese werden ergänzt durch halbstündige Rundgänge an unterschiedlichen Tagen, die Termine dazu findest Du HIER

Der Gendarmenmarkt
Der Berliner Gendarmenmarkt liegt im Bezirk Mitte, direkt zwischen der Friedrichstraße und Unter den Linden.

Manche Berliner und Besucher meinen, er sei der schönste Platz in Berlin. Früher hieß er Lindenmarkt oder auch Neuer Markt.
Da hier früher die Pferdeställe des Kürassierregiments der »Gens d'armes« für das nah gelegene Stadtschloss standen, wurde der Platz 1799 vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in Erinnerung an diese Soldaten in Gendarmenmarkt unbenannt.

Der Dichter Friedrich Schiller vor dem Konzerthaus
Anna Elin von Törne
Das Konzerthaus zur Weihnachtszeit
Stephan Böckenförde


Neben dem Konzerthaus sind die wichtigsten Gebäude des Gendarmenmarktes der Deutsche und der Französische Dom.
Auf dem Gendarmenmarkt ist immer etwas los: so wird er zum Beispiel beim »Festival of Lights« mit bunten Lichtern beleuchtet, was toll aussieht. Und auch der alljährlich stattfindende Weihnachtsmarkt ist super! Da kann man herrliche gebrannte Mandeln und vieles mehr naschen!


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